Im Nachkriegs-Westberlin betrat der Designer Uli Richter die Modeszene. Als jüngster Berliner Couturier gelang es ihm, den Ruf Berlins als internationales Modezentrum wiederherzustellen und zu festigen. Über die nächsten 40 Jahre erlangte Uli Richter durch seine Projekte weltweiten Erfolg. Seine Werke – jung, elegant, mit klaren Schnitten und ungewöhnlichen Materialkombinationen – entsprachen ihrer Zeit und repräsentierten den internationalen Stil „Made in Berlin“. Mehr über das Leben und Schaffen des Designers erfahren Sie auf berlinka.info.
Der erste Bestseller

Als Uli Richter 1948 nach Abschluss seiner Ausbildung zum Textilkaufmann ein Praktikum im Modehaus „Horn“ in Berlin begann, erkannte er schnell, dass er mehr wollte: Er wollte Mode entwerfen. Vor dem Design seiner ersten Kreationen holte sich der junge Uli Richter bei den Näherinnen Rat, was den Kunden gefallen könnte. 1949 entwarf er sein erstes Kleidungsstück, das Modell „Marcelle“, das ein Bestseller wurde.
Nach vier Jahren bei „Horn“ wurde Uli Richter 1952 Chefdesigner und Geschäftsführer des Modehauses „Schröder & Eggeringhaus“. Sein internationaler Durchbruch als Modedenker gelang ihm 1957 in Venedig, als er beim „Primo Mondiale del Cotone“ – dem Internationalen Baumwollfestival – den ersten Preis für ein Abendkleid mit Perlenstickerei und einen Samtmantel gewann. Der Erfolg war so groß, dass das Unternehmen in „S&E Models Uli Richter“ umbenannt wurde.
„Uli Richter model“

Der typische Stil Uli Richters zeigte sich bereits in seinen Kreationen für „S&E“. Sportliche Eleganz und Zurückhaltung, wie sie etwa in einem tomatenroten Abendkleid zum Ausdruck kamen, prägten sein gesamtes Werk. Diese radikale Einfachheit von Schnitt und Material war für Abendgarderobe besonders ungewöhnlich.
Zusammen mit Dorothea Kelich, die er bei „Horn“ kennengelernt hatte, gründete Uli Richter 1959 sein eigenes Unternehmen unter dem Namen „Uli Richter model“. Er war der erste deutsche Modedesigner, der eine erschwingliche Prêt-à-Porter-Kollektion unter dem Namen „Uli Richter special“ auf den Markt brachte.
Zum 20-jährigen Jubiläum seiner Firma 1979 hatte Uli Richter sein Unternehmen weltweit ausgebaut. Nachdem er 1970 die japanischen Hostessen des deutschen Pavillons auf der Weltausstellung in Osaka ausgestattet hatte, wurde auch der asiatische Markt für seine Kreationen erschlossen. Ab 1971 ergänzte Richter sein Sortiment um Taschen und Koffer, um sein Konzept eines einheitlichen Stils von Kleidung und Accessoires zu verwirklichen.
Seit 1970 trug Ruth Brandt, die Ehefrau des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Willy Brandt, bei jedem Staatsbesuch ausschließlich Modelle von Uli Richter. Dank seiner zurückhaltend eleganten Designs erhielt sie internationale Anerkennung.
Innovativer Stil

Wie innovativ ist der Stil von Uli Richter? Viele Berliner Designer ließen sich von seiner Arbeit inspirieren und entwarfen im Rahmen der Ausstellung „Uli Richter revisited“ im Kunstgewerbemuseum neue Modelle in ihrer eigenen Designsprache. Während Uli Richter die deutsche Mode in der Mitte des letzten Jahrhunderts begründete, zeigen diese Designer das kreative Potenzial der modernen Berliner Modeszene. Sie schöpften Inspiration aus Schnitt, Material oder Farbe seiner Modelle, wie etwa dem 1957 entworfenen Abendkleid mit venezianischer Rose oder seinem Frauenbild einer scheinbar verlorenen Modeepoche.
Beispielsweise schafft William Fan, der zwischen Europa und China pendelt, elegante, komfortable und gelassene Unisex-Mode. Den Einfluss beider Welten sieht man auch in einer hier präsentierten Kreation, die geschickt Materialmischungen einsetzt – ein typisches Merkmal von Uli Richter.
Moderne Berliner Designer entwickeln den innovativen Stil „Made in Berlin“ weiter und lassen sich von einem der unvorhersehbarsten Designer der Nachkriegszeit inspirieren.