Café · Berlin · ⭐ 9.9/10 · 621 Bewertungen · aktualisiert: 2026-08-06 11:05:43
Adresse: Hochstraße 34, 13357 Berlin, Deutschland
Die meisten Berliner Cafés erzählen etwas über fairen Handel. Bei Flying Roasters im Wedding ist es umgekehrt: Der Laden ist zuerst eine Rösterei mit einer sehr klaren wirtschaftlichen Konstruktion — ein Kollektiv ohne Hierarchien, Rohkaffee direkt von Kooperativen, gleicher Lohn für alle — und erst danach ein Café. Dass der Kaffee, der dabei herauskommt, in Berlin zu den besten gehört, ist die eigentliche Pointe: Die Haltung geht hier nicht auf Kosten der Tasse.
Höhepunkte
- Eigene Rösterei im Hinterhof, dazu ein Ladencafé gegenüber — man trinkt den Kaffee dort, wo er entsteht.
- Als Kollektiv organisiert: Entscheidungen gemeinsam, keine Hierarchien, gleicher Lohn für alle.
- Rohkaffee ohne Zwischenhändler, direkt von demokratisch organisierten Kooperativen, mit Vorfinanzierung der Ernte.
- Mitglied im europäischen Netzwerk Roasters United, das gemeinsam Grünkaffee importiert.
- Auslieferung an Berliner Cafés und Büros per Lastenrad — ein Bullitt, das ein Vielfaches seines eigenen Gewichts transportiert.
- Barista-, Sensorik- und Röstkurse für Gäste, die es genauer wissen wollen.
Was in der Tasse ist
Flying Roasters röstet selbst, auf einer Giesen-Trommel, und zwar in unmittelbarer Nachbarschaft zum Ausschank. Das ist die kürzeste Lieferkette, die ein Café haben kann: Zwischen Röstung und Tasse liegen ein Hof und eine Straßenseite. Praktisch bedeutet das, dass die Bohnen jung sind und dass die Person, die den Espresso zieht, weiß, wie er geröstet wurde — was man sofort merkt, wenn man eine Frage stellt.
Stilistisch ist das kein dunkler, verbrannter Berliner Klassiker, sondern eine helle, klare Röstung, in der die Herkunft noch zu schmecken ist. Der äthiopische Kaffee im Cappuccino ist die Bestellung, die Gästen im Gedächtnis bleibt, und der Cortado gleich danach. Auf der Filterseite werden AeroPress, Chemex, French Press, Handaufguss und sogar die Karlsbader Kanne gefahren — Letztere ist eine Rarität, die man in Berlin sonst kaum irgendwo im Betrieb sieht.
Die Herkunft ist bei diesem Haus kein Marketingtext, sondern der Kern des Geschäftsmodells. Der Rohkaffee kommt ohne Zwischenhändler direkt von kleinen, demokratisch organisierten Kooperativen; gezahlt wird ein stabiler Preis, der deutlich über dem Fairtrade-Mindestpreis liegt, und die Ernte wird zinslos vorfinanziert, damit die Produzenten nicht in die Hände von Zwischenhändlern geraten. Möglich wird das durch Roasters United — ein Zusammenschluss europäischer Röstereien, der den Import gemeinsam stemmt, weil eine einzelne kleine Rösterei die Mengen nie allein bewegen könnte. Und ja, das Hafermilch-Angebot hier wird von Gästen ausdrücklich gelobt, was in einem Röstereicafé kein Zufall ist: Wer Milchschaum ernst nimmt, testet auch die Alternativen durch.
Wer dahintersteht
Hinter Flying Roasters steht kein Inhaber, sondern ein Kollektiv. Das ist keine Formulierungsfrage: Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, Verantwortung wird geteilt, es gibt keine Hierarchien und gleichen Lohn für alle. Angefangen hat das Projekt 2014 unter dem Namen Five Roasters; ein Jahr später zog die Rösterei in den Wedding, in einen Hinterhof, in dem sie bis heute arbeitet, und bekam den Namen, unter dem man sie heute kennt.
Diese Struktur erklärt fast alles am Laden. Warum die Lieferkette transparent gemacht wird statt schön erzählt. Warum die Auslieferung in Berlin mit dem Lastenrad läuft und nicht mit dem Transporter — ein Bullitt-Rad, das selbst kaum etwas wiegt, aber ein Vielfaches davon an Kaffee bewegt, mit elektrischer Unterstützung für die weiteren Strecken. Und warum die Beratung im Laden so unaufgeregt klingt: Wer nicht auf Provision arbeitet und nicht in einer Hierarchie steckt, muss niemandem etwas verkaufen. Gäste beschreiben genau das — eine ehrliche, unaufgesetzte Empfehlung, bei der man sich Zeit nimmt und Fragen verständlich beantwortet.
Wofür es sich eignet
Bohnen kaufen und dabei etwas lernen. Das ist das Kernszenario. Man kommt wegen frisch gerösteten Bohnen für zu Hause, bekommt eine echte Empfehlung statt einer Verkaufsformel und trinkt vor Ort die Tasse, die zeigt, worüber gerade gesprochen wurde. Wer Kaffee für die eigene Maschine sucht und nicht weiß, wo er anfangen soll, ist hier so gut aufgehoben wie kaum irgendwo im Norden Berlins.
Ein Kaffee, für den man einen Umweg macht. Der Wedding ist kein Bezirk, den Besucher zufällig durchqueren. Hierher fährt man gezielt — und wird dafür mit einer Tasse belohnt, die den Weg trägt.
Sitzen und reden. Der Sitzbereich in der unteren Etage ist mit Geschmack eingerichtet und angenehm gemütlich; für ein ruhiges Gespräch zu zweit ist er die bessere Wahl als die Plätze vorn. Bei Sonne sind die Außenplätze der Favorit, mit einer Einschränkung: Die Straße davor ist befahren, und man hört das. Gäste finden übereinstimmend, dass die Sonne und die Tasse das aufwiegen.
Ein Kurs statt eines Besuchs. Es gibt Barista-, Sensorik- und Röstkurse. Das ist die Variante für Leute, die nicht nur trinken, sondern verstehen wollen — und ein ungewöhnliches Geschenk.
Weniger geeignet: der ausgebreitete Arbeitsvormittag. Das hier ist ein Röstereiladen mit Ausschank, kein Coworking-Café. Wer Steckdose, langen Tisch und vier ungestörte Stunden braucht, sollte ein Haus wählen, das dafür gebaut ist. Für eine gute Stunde mit einem Buch funktioniert es dagegen sehr gut.
Der Raum
Zwei Elemente gehören zusammen: die Rösterei im Hinterhof und der Laden auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Das ist kein Café, das eine Rösterei als Kulisse benutzt, sondern ein Produktionsbetrieb, der ein Café betreibt — mit allem, was daran hängt: Säcke, Waagen, Röstprotokolle, Geruch.
Der Gastbereich selbst ist klein und liebevoll gemacht, mit einem gemütlichen Sitzbereich in der unteren Etage, in dem man länger bleiben will, als man vorhatte. Vor der Tür stehen Plätze in der Sonne. Es ist Wedding, also kein durchgestylter Mitte-Minimalismus, sondern ein Ort, an dem Handwerk sichtbar ist und niemand so tut, als wäre das Zufall.
Mehr als Kaffee
Zum Kaffee gibt es Gebäck — das Croissant wird von Gästen zusammen mit dem Flat White als die Standardkombination genannt —, und das ist ehrlicherweise der Umfang. Es gibt kein Frühstückskonzept, keine Küche und keine Brunchkarte; das Haus ist eine Rösterei, kein Restaurant.
Dafür ist das Regal die eigentliche zweite Karte: ganze Bohnen für Espresso, für Filter und für Vollautomaten, dazu Zubehör, Ausrüstung und Geschenke. Viele Gäste gehen mit mehr Kaffee für zu Hause hinaus, als sie im Laden getrunken haben — und genau so ist der Betrieb gedacht.
Wann kommen
Der Laden hat einen anderen Rhythmus als ein normales Café, weil parallel produziert wird: An Rösttagen läuft im Hof die Trommel, und das ist der interessanteste Moment für einen Besuch — man riecht die Röstung, bevor man sie trinkt. Wer beraten werden will, kommt in einer ruhigen Phase; wer nur einen Espresso will, kann jederzeit vorbei.
Die Außenplätze funktionieren am besten, wenn die Sonne auf die Straßenseite fällt; drinnen unten ist es zu jeder Tageszeit ruhiger. Und weil die Zeiten bei einem Betrieb mit Produktionstagen nicht dieselben sind wie bei einem reinen Café, lohnt sich vor der Fahrt ein Blick in den Zeitplan-Block auf dieser Seite — der Wedding ist zu weit weg, um vor verschlossener Tür zu stehen.
Anfahrt
Flying Roasters liegt im Wedding, im Bezirk Mitte, im Übergang zwischen Gesundbrunnen und dem alten Industrie-Wedding. Der nächstgelegene U-Bahnhof ist Voltastraße auf der U8; der große Umsteigebahnhof Gesundbrunnen mit S- und U-Bahn ist ebenfalls in Laufweite, und der Volkspark Humboldthain liegt gleich in der Nachbarschaft.
Zwei Hinweise zur Orientierung: Die Rösterei sitzt im Hinterhof, das Café gegenüber auf der anderen Straßenseite — wenn Sie vor einem geschlossenen Tor stehen, schauen Sie über die Straße. Und planen Sie den Besuch mit einem Spaziergang im Humboldthain: Diese Kombination ist der beste Grund, den Wedding überhaupt anzusteuern.
Gut zu wissen
Erstens: Fragen Sie. Die Beratung ist hier der Mehrwert, den ein Onlineshop nicht liefern kann, und sie wird als ehrlich und ohne Verkaufsdruck beschrieben. Sagen Sie, welche Maschine Sie zu Hause haben und was Sie sonst trinken — die Empfehlung wird darauf zugeschnitten.
Zweitens: Nehmen Sie Bohnen mit. Frisch geröstet, direkt aus dem Hof, ist ein anderes Produkt als das Supermarktregal — und für Vollautomaten gibt es eigene Röstungen, was viele nicht wissen.
Drittens, ehrlich: Die Straße vor dem Laden ist befahren. Wer absolute Ruhe im Freien sucht, sitzt besser drinnen in der unteren Etage. Und viertens: Wenn Ihr Berliner Café oder Büro regelmäßig Kaffee braucht — die Lieferung durch die Stadt läuft per Lastenrad, was den Kaffee nicht besser, aber die Rechnung sauberer macht.
Fragen und Antworten
Röstet Flying Roasters selbst?
Ja. Die Rösterei arbeitet auf einer Giesen-Trommel im Hinterhof, das Ladencafé liegt gegenüber. Kürzer wird der Weg von der Röstung in die Tasse nicht.
Was bedeutet „als Kollektiv organisiert“?
Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, Verantwortung wird geteilt, es gibt keine Hierarchien und für alle denselben Lohn. Angefangen hat das Projekt 2014, damals noch unter dem Namen Five Roasters.
Woher kommt der Rohkaffee?
Direkt von kleinen, demokratisch organisierten Kooperativen, ohne Zwischenhändler, zu einem stabilen Preis über dem Fairtrade-Mindestpreis und mit zinsloser Vorfinanzierung der Ernte. Der Import läuft gemeinsam über das europäische Netzwerk Roasters United.
Kann man Bohnen für zu Hause kaufen?
Ja, das ist einer der Hauptgründe herzukommen: Espresso, Filter und eigene Röstungen für Vollautomaten, dazu Zubehör und Ausrüstung.
Gibt es Kurse?
Ja — Barista-, Sensorik- und Röstkurse. Für Leute, die verstehen wollen, was in der Tasse passiert, und als Geschenk.
Gibt es Essen?
Nur Gebäck zum Kaffee, Croissant und Ähnliches. Eine Küche oder eine Frühstückskarte gibt es nicht — das Haus ist eine Rösterei.
Kann man dort mit dem Laptop arbeiten?
Für eine Stunde ja, für einen ganzen Arbeitsvormittag eher nicht. Der Laden ist auf Beratung, Verkauf und kurze Aufenthalte ausgelegt, nicht auf Coworking.
Wie kommt man hin?
Mit der U8 bis Voltastraße oder zu Fuß von Gesundbrunnen; der Volkspark Humboldthain liegt gleich nebenan und macht aus dem Besuch einen Ausflug.
Öffnungszeiten
| Tag | Zeiten |
|---|---|
| Montag | 10:00–18:00 |
| Dienstag | 10:00–18:00 |
| Mittwoch | 10:00–18:00 |
| Donnerstag | 10:00–18:00 |
| Freitag | 10:00–18:00 |
| Samstag | 10:00–18:00 |
| Sonntag | 10:00–18:00 |
Fotos





Gästebewertungen
Bewertungen zuletzt aktualisiert: 2026-08-06 11:05:43
Die Daten werden monatlich aktualisiert. Quellen: berlinka.info sowie redaktionelle Auswahl anhand von Bewertungen.
Така неймовірно мила кав'ярня. Можна посидіти на сонечку, хоча вона розташована прямо перед дорогою, але сонячне місце, чудове обслуговування та кава з лишком компенсують кілька машин, що проїжджають повз. Кава з їхньої…
Ich war heute bei Flying Roasters und bin wirklich begeistert!!
Der Kaffee ist auf einem sehr hohen Niveau, aber heute hat vor allem die Bedienung den Unterschied gemacht.
Man wurde direkt freundlich empfangen und es wa…
Було б шкода не відвідати цю обсмажувальну каву. Дуже привітне та інтерактивне обслуговування. Абсолютно чудова кава – я куштував ефіопську в капучино і вона мені так сподобалася, що я тоді захотів випити кортадо – у Бер…
все було просто чудовим: атмосфера, круасан, ну і звичайно flat white
важаю це місце одним із найкращих в Берліні
Чудова кава! Широкий асортимент для покупки свіжообсмажених зерен
Поціновувачам пташок особливо сподобається