Man sagt oft, dass Neues gut vergessenes Altes ist – ein Sprichwort, das in der Modewelt seine Bestätigung findet. Trends aus der Mitte des 20. Jahrhunderts kehren oft zurück, meist mit kleinen Änderungen im Dekor oder Design. Besonders spannend ist der Blick in die Vergangenheit, um die Modeneuheiten vergangener Jahrhunderte zu entdecken. Frauen lassen sich oft von den Outfits bekannter Stars aus Politik und Unterhaltung inspirieren, ignorieren aber auch moderne Trends nicht. Kein Wunder also, dass Designer oft in der Geschichte nach Ideen suchen. Weniger bekannt ist, dass Deutschland bis Mitte des letzten Jahrhunderts als Modemetropole galt – mit Berlin als Taktgeber. In alten Zeitschriften lassen sich viele spannende Entdeckungen machen. Mehr dazu auf berlinka.info.
Wie entstand die deutsche Mode?
Historiker berichten, dass deutsche Kleidung bis Ende des 16. Jahrhunderts keine auffälligen Farben zeigte. Dezente, schlichte Farben dominierten. Mit der spanischen Mode kamen Interesse an braunen und beigefarbenen Stoffen sowie bestimmte Designelemente, wie etwa Schlitze an Handschuhen, nach Deutschland. Eine eigenständige deutsche Mode begann erst Ende des 19. Jahrhunderts zu entstehen, als die Produktion individueller Kleidung möglich wurde. Der damals vorherrschende Stil war der Jugendstil. Berliner Schneider und Ladenbesitzer ersetzten pompöse Outfits allmählich durch schlichtere und praktischere Modelle.
Modetrends in Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts
Am Ende des 19. Jahrhunderts wurden Drapierungen, zarte Farben und florale Stickereien wichtige Elemente der Mode. Frauen trugen hohe Frisuren mit fallenden Locken. Korsetts und mehrschichtige Stoffkombinationen blieben lange in Mode, um die Taille zu betonen und ein S-förmiges Silhouette zu schaffen, wobei die Hüften durch Kontraste hervorgehoben wurden. Der Jugendstil zeichnete sich durch geschwungene Linien aus, die von der Natur inspiriert waren, in der es keine geraden Formen gibt.
Was trugen Berliner Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts?

Der Erste Weltkrieg beeinflusste die Modetrends dieser Zeit stark. Mit den Männern an der Front übernahmen Frauen viele männliche Berufe, was praktische Kleidung erforderte. Röcke wurden kürzer, und der schwere, mehrlagige Kleidungsstil wich leichten Blusen, langen Glockenröcken und Mänteln. Neutrale Farben wie Grau und Schwarz dominierten. Hohe und enge Stehkragen an Blusen betonten Haltung und Eleganz. Hüte waren ein Muss, aufwendig dekorierte Modelle trug man jedoch nur in der Kirche oder bei Familienfeiern.
Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung ab 1926 veränderte sich die Mode. Frauen wurden aktiver im öffentlichen und sportlichen Leben, was auch die Kleidung beeinflusste. Adelige und wohlhabende Frauen verzichteten auf Korsetts. Federschmuck, Fransen und lange Ohrringe kamen in Mode. Coco Chanel setzte Trends mit schmal geschnittenen Kleidern und knielangen Röcken. Charleston-Kleider, Flapper-Kleider und Pelze gehörten zum Standard. Frauen schnitten ihre Haare kurz – der Bob wurde populär. Perlenketten und Tülltaschen rundeten den Look ab.
Modetrends der 1930er Jahre

In den 1930er Jahren zwangen Massenarbeitslosigkeit und wirtschaftliche Schwierigkeiten viele Frauen, die Mode neu zu interpretieren. Nylon wurde als Material für Blusen und Röcke geschätzt. Prominente wie Marlene Dietrich beeinflussten die Mode mit ihren Outfits, etwa weiten Kleidern mit Boleros. Kleider hatten oft eine schmale Taille und dezente Ausschnitte.
Modetrends der 1940er Jahre

Während des Zweiten Weltkriegs rückte Mode in den Hintergrund. Schmuck, Stickereien und Accessoires wurden verkauft, um zu überleben. Kleidung wurde sparsam genäht, was zu schmalen Röcken und „Bleistift“-Kleidern führte. Flatterärmel und breite Schulterpolster halfen, die Silhouette zu formen. Der militärische Stil war praktisch und weit verbreitet. Berlinerinnen trugen schlichte Anzüge mit breiten Schultern und hoch angesetzter Taille. Die nationalsozialistische Ideologie förderte Natürlichkeit und Einfachheit in der Kleidung.
Trotz des Rückgangs der Modeindustrie brachten Berliner Designer neue Trends hervor, wie beispielsweise verschiedene Damenhosenmodelle. Viele Frauen nähten Kleidung aus den Anzügen ihrer Brüder und Männer, die an der Front waren.
Nachkriegszeit und Rückkehr in die Modewelt

Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten Designer wie Heinz Oestergaard und Uli Richter, Weiblichkeit in die Mode zurückzubringen. Frauen wurden weite Röcke bis zum Knie, Kleider mit Bootsausschnitt und taillenbetonte Schnitte empfohlen. Viele Frauen blieben jedoch bei Hosen, da sie praktisch waren.
Deutsche Modemagazine führten als erste Prêt-à-porter-Mode ein, die stilvoll und alltagstauglich war. Mit der Teilung Deutschlands entstanden unterschiedliche Modetrends: Während in der DDR sowjetischer Einheitsstil dominierte, prägten im Westen Ideen der sexuellen Revolution und sportlichere Stile das Bild. Enge Jeans, die wie Leggings saßen, sowie Bleistiftröcke und Petticoats wurden populär.
Hilfe von Christian Dior
Für viele deutsche Frauen, die keinen jugendlichen Stil bevorzugten, war Christian Diors „New Look“ eine Rettung. Dior setzte auf weite Röcke bis zur Wade und figurbetonte Blusen. Dieser schlichte, elegante Stil entsprach dem extravaganten Geschmack der 1950er Jahre.
Viele Frauen kopierten Audrey Hepburns Stil mit Tagesanzügen und Cocktailkleidern. Lange Haare wurden in Hochsteckfrisuren getragen, kurze Haare wellig oder glatt zurückgekämmt. Hüte galten als unverzichtbares Accessoire. Es gab sowohl elegante Modelle für besondere Anlässe als auch praktische Alltagsmodelle. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts brachte neue Trends, doch das ist eine andere Geschichte.