Joana Mallwitz – die erste Chefdirigentin und Künstlerische Leiterin des Berliner Konzerthauses

Es scheint, als gäbe es im 21. Jahrhundert keinen Beruf mehr, der ausschließlich Männern vorbehalten ist. Selbst im Weltall und im Militär haben Frauen bereits ihre Spuren hinterlassen. Doch im September 2023 erschütterte eine Nachricht die internationale Gemeinschaft: Die erste Chefdirigentin und Künstlerische Leiterin des legendären Berliner Konzerthauses wurde bekanntgegeben – die talentierte deutsche Musikerin Joana Mallwitz.

Vor dieser Position war die junge Frau ein gern gesehener Gast bei den renommiertesten Orchestern der Welt: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Royal Concertgebouw Orchestra in Amsterdam, Wiener Philharmoniker, Boston Symphony Orchestra, London Philharmonic Orchestra, Orchestre de Paris und Göteborgs Symfoniker. Dennoch hegten die Verantwortlichen des Berliner Konzerthauses anfangs vorsichtige Zweifel, ob Mallwitz dieser Aufgabe gewachsen sei und ob ihre Arbeit den Status des Hauses beeinträchtigen könnte. Die Praxis bewies jedoch das Gegenteil. Mehr dazu auf berlinka.info.

Kindheit einer talentierten Geigerin

Joana wurde im September 1986 in Hildesheim in eine Lehrerfamilie geboren. Bereits mit drei Jahren bemerkten ihre Eltern, dass sie versuchte, Geige zu spielen, und engagierten für sie Lehrer. Mit fünf Jahren begann sie, Klavier zu lernen, und im Alter von 13 Jahren wurde sie Schülerin der bekannten Professoren Christa-Maria Hartmann und Karl-Heinz Kämmerling. Sie war die jüngste Studentin an der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Dirigieren lernte sie bei Martin Brauß und Eiji Oue, Klavier bei Kämmerling und Bernd Goetzke.

Aufstieg zum musikalischen Olymp

2006, nach ihrem Abschluss an der Hochschule für Musik Hannover, wurde die junge Dirigentin und Pianistin als Repetitorin beim Heidelberger Orchester engagiert. In den folgenden Jahren wechselte sie zwischen mehreren Theatern und Orchestern, wobei ihre Besetzung für Verwunderung sorgte – diese Positionen waren bis dahin ausschließlich Männern vorbehalten. Mit ihrem Selbstbewusstsein und Talent konnte sie jedoch ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen und wurde 2014 Chefdirigentin des Theaters Erfurt.

Mallwitz wurde offiziell als die jüngste Chefdirigentin Europas anerkannt; damals war sie 27 Jahre alt. 2018 wurde sie zur Generalmusikdirektorin der Staatsphilharmonie Nürnberg ernannt. Mit 12 Jahren Berufserfahrung unterschrieb sie einen Fünfjahresvertrag, der sie an die Spitze einer neuen musikalischen Ära brachte. Mallwitz war die erste Frau in dieser Position in der Geschichte des Hauses.

Spuren beim Salzburger Festspiel

Foto: Aufführung bei den Salzburger Festspielen

2020 wurde Joana Mallwitz eingeladen, bei den Salzburger Festspielen zu dirigieren – ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte Deutschlands. Sie war die erste Frau, die jemals eine Opernpremiere dieses Festivals leitete. Sie dirigierte die Wiener Philharmoniker in den Aufführungen von „Elektra“ unter der Regie von Krzysztof Warlikowski und „Così fan tutte“ in der Inszenierung von Christof Loy.

Die Zusammenarbeit mit Loy verlief hervorragend, und beide betonten, dass sie eine Einheitlichkeit der Emotionen anstrebten, die das Publikum als authentisch wahrnehmen sollte. Obwohl einige Kritiker bemängelten, dass Mallwitz’ Interpretation manchmal zu hastig wirkte, war man sich einig, dass die Solisten und Musiker eine brillante und stimmige Performance ablieferten.

Das legendäre Berliner Konzerthaus

Das Konzerthaus Berlin liegt im Zentrum der Hauptstadt, am Gendarmenmarkt im Bezirk Mitte, und zählt seit über 200 Jahren zu den bedeutendsten musikalischen Institutionen Europas. Es veranstaltet jährlich über 500 Konzerte und zählt etwa 10.000 Stammgäste. Das Konzerthaus ist auch digital präsent und hat Plattformen wie Twitch in seine Kommunikationsstrategie integriert.

Im September 2023 trat Joana Mallwitz die Nachfolge von Christoph Eschenbach als Chefdirigentin und Künstlerische Leiterin an. Sie war nicht nur die erste Frau in dieser Position, sondern mit 37 Jahren auch die jüngste Dirigentin in der Geschichte des Orchesters.

Auszeichnungen und Erfolge

2019 wurde Joana Mallwitz von der Zeitschrift Opernwelt zur Dirigentin des Jahres gewählt. Sie erhielt zahlreiche Ehrungen, darunter den Bayerischen Verfassungsorden und das Bundesverdienstkreuz, das sie für ihre langjährige Arbeit in der Förderung klassischer Musik und junger Talente erhielt.Mallwitz war auch Protagonistin im Film Momentum, der ihren Weg ins Konzerthaus beleuchtet und im Sommer 2024 Premiere feierte. Sie betont, dass sie stolz darauf ist, als erste Frau diese Position einzunehmen, und glaubt, dass sie nicht die letzte sein wird, da Deutschland über viele talentierte Musikerinnen verfügt.

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