In der Geschichte verschiedener Länder gibt es viele bedeutende Persönlichkeiten, deren Schicksal durch den Zweiten Weltkrieg radikal verändert wurde. Einige zerbrachen unter den Schlägen des Schicksals, andere widersetzten sich und errangen ihr Recht auf Glück. Es ist schwierig, sie nach standardmäßigen Maßstäben zu beurteilen, doch selbst ambivalente Bewertungen verdienen Aufmerksamkeit und ziehen das öffentliche Interesse an. Zu dieser Gruppe zählt auch die Berlinerin Helena Riefenstahl, besser bekannt als Leni. Diese herausragende Tänzerin und Schauspielerin verwirklichte sich nach einer Verletzung im Bereich des Kinos, wurde eine bekannte Filmregisseurin und Fotografin. Doch Hitlers Herrschaft brach ihre Karriere auf ihrem neuen Höhepunkt erneut. Mehr auf berlinka.info.
Kindheit und Jugend: Kampf um das Recht auf Kunst

Helena Riefenstahl wurde im August 1902 in einem Arbeiterbezirk Berlins geboren. Ihr voller Name lautete Bertha-Helene-Amalie, doch bekannt war sie nur als Helene oder Leni. Ihr Vater, Alfred-Theodor-Paul, leitete ein Unternehmen für Heizungsanlagen, und die Familie hatte ein gutes Einkommen, weshalb er seiner Tochter eine solide Ausbildung ermöglichen wollte. Das Mädchen besuchte zunächst die Volksschule in Neukölln, später das Colmorgen-Lyzeum, eine private Mädchenschule in Tiergarten. Ab ihrem fünften Lebensjahr nahm sie Kunstunterricht, und ihre Werke wurden von den Lehrern hoch geschätzt. Außerdem erhielt sie zweimal wöchentlich Klavierunterricht.
Doch Helena interessierte sich nicht sonderlich für Malerei und Musik – sie fühlte sich mehr zum Tanz hingezogen. Ihr Vater war jedoch strikt gegen derartige Beschäftigungen. Heimlich schrieb die Mutter ihre Tochter in eine Choreografieschule ein. Außerdem war das Mädchen Mitglied des Schwimmklubs „Rusalka“, wo sie an Wettbewerben teilnahm und Preise gewann. Sie war auch Mitglied eines Turnvereins und lernte Roll- und Schlittschuhlaufen.
Verliebtheit in den Tanz

Als der Vater erfuhr, dass Leni heimlich Tanzunterricht nahm, wurde er sehr wütend und schickte sie in ein Internat für Mädchen. Doch die entschlossene Helena schlich weiterhin zu den Proben und spielte sogar in Theateraufführungen mit. Im Jahr 1921 erhielt sie ein Diplom als Sekretärin und begann in der Firma ihres Vaters zu arbeiten – als Gegenleistung für die Erlaubnis, Tanzstunden zu nehmen. Zwei Jahre lang studierte sie klassischen Tanz bei der ehemaligen Petersburger Ballerina Eugenia Eduardowa und Charaktertanz in der Schule von Jutta Klamt. Danach nahm sie Unterricht im modernen Tanz bei Mary Wigman in Dresden. Helena lernte, innovative Ideen mit klassischen Bewegungen harmonisch zu verbinden, und trat erfolgreich im Ensemble des Deutschen Theaters auf. Doch eine schwere Verletzung beendete ihre Tanzkarriere. Andere hätten sich dem Schicksal gefügt, doch nicht Leni.
Beginn der Schauspielkarriere

Die entschlossene und zielstrebige Helena verfolgte ihre Ziele unermüdlich. Nachdem sie den Film „Schicksalsspiel“ gesehen hatte, war sie begeistert von der Idee, den Regisseur Arnold Fanck kennenzulernen, und schaffte es, ihn zu treffen. Sie beeindruckte ihn so sehr, dass er ein neues Drehbuch für „Der heilige Berg“ speziell für Leni schrieb. Um die Rolle zu spielen, begann sie begeistert mit dem Bergsteigen und Skifahren.
Sie spielte erfolgreich in weiteren Filmen wie „Der große Sprung“ (1927) und „Weiße Hölle vom Piz Palü“ (1931). Schließlich produzierte sie ihren eigenen Film „Das blaue Licht“ (1932), bei dem sie sowohl Schauspielerin als auch Regisseurin war. Die mystische und geheimnisvolle Handlung des Films gefiel Adolf Hitler so sehr, dass er Leni einlud, einen Dokumentarfilm über die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei zu drehen.
Unerwartete Folgen künstlerischer Bestrebungen

Helena nahm Hitlers Angebot begeistert an und begann 1934 mit der Arbeit an „Triumph des Willens“. Der Film gewann den Hauptpreis beim französischen Filmfestival und viele weitere Auszeichnungen. Der Film verherrlichte die Nation als ein gut geöltes System, das unter dem Kommando Hitlers stand. Doch der Film brachte ihr später schwere Vorwürfe ein. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden ihre Werke verboten, und sie wurde des Nationalsozialismus bezichtigt.
Neubeginn und Wiedergeburt

Im Alter von 53 Jahren begann Helena eine neue Karriere als Fotografin. Ihre Reisen nach Afrika brachten einzigartige Fotos, die in Deutschland gefeiert wurden. Ihre Fotoalben wurden Bestseller, und sie erhielt 1975 eine renommierte Auszeichnung für ihre Arbeit. Auch im Alter von über 70 Jahren blieb sie kreativ und drehte erfolgreiche Filme über die Unterwasserwelt. Bis zu ihrem 100. Lebensjahr reiste sie unermüdlich und arbeitete an neuen Projekten.
Nachdenken über die Vergangenheit

Trotz ihrer späteren Erfolge blieb das Stigma ihrer frühen Jahre bestehen. Helena versuchte, ihre künstlerische Motivation von politischen Ideologien zu trennen, doch der Vorwurf, die Ästhetik des Nationalsozialismus verherrlicht zu haben, blieb bestehen. Dennoch hinterließ sie ein Vermächtnis, das ihre künstlerische Leidenschaft und Entschlossenheit widerspiegelt.