Elisabeth von Papp – die erste Taxifahrerin in Berlin

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts fällt es schwer zu glauben, dass es eine Zeit gab, in der eine Frau am Steuer eine Ausnahme darstellte, da Frauen das Autofahren untersagt war. Doch genau das war der Fall – ähnliche Gesetze galten in vielen Ländern. In Deutschland waren Frauen stark in ihren Rechten eingeschränkt, weshalb eine Taxifahrerin zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Berlin großes Aufsehen erregte. Diese ausschließlich männlich dominierte Profession eroberte Elisabeth von Papp als erste Frau in Deutschland und brach damit viele Stereotype. Sie bewies, dass Frauen genauso gut ein Auto lenken können wie Männer. Mehr dazu auf der Website berlinka.info.

Das Verbot für Frauen, ein Auto zu lenken

Um zu verstehen, warum ein Phänomen wie eine Taxifahrerin damals so viel Aufmerksamkeit erregte, sollte man sich ins Gedächtnis rufen, dass deutschen Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Autofahren generell verboten war. Forscher führen ideologische Gründe an, da das Führen eines Automobils als rein männliches Privileg galt. Frauen durften höchstens mit einer offiziell ausgestellten Erlaubnis ihres Ehemannes, Vaters oder Bruders ein Fahrzeug steuern.

Dennoch gab es vor dem Ersten Weltkrieg mutige Frauen, die sich die Erlaubnis erkämpften und das Autofahren erlernten. Sie wurden in Deutschland als „exotische Frauen“ oder später „Amazonen“ bezeichnet. Während die Berliner Männer gegenüber Frauen am Steuer des Familienautos noch Nachsicht zeigten, sahen sie eine Frau, die sich an die männlich dominierte Profession des Taxifahrers wagte, als Provokation.

Der mutige Entschluss von Frau von Papp

Foto: Souvenirpostkarte mit Elisabeth von Papp

Die gebürtige Ungarin Elisabeth von Papp ging als erste Taxifahrerin Berlins und Deutschlands in die Geschichte ein. Sie wollte die Öffentlichkeit nicht schockieren; ihr Beweggrund war pragmatisch. Nach dem Tod ihres Mannes musste sie ihre Kinder ernähren und entschied sich dafür, einen damals untypischen Beruf für Frauen zu ergreifen. Im März 1908 nahm Frau von Papp ihre erste Taxifahrt am Steuer eines „Adler“-Automobils auf. Diese Fahrt auf der Kantstraße wurde von Fotografen festgehalten, und Bilder von ihr wurden bald als Souvenirkarten erfolgreich verkauft.

Die Eroberung eines Männerberufs

Ein Auto zu lenken war Anfang des 20. Jahrhunderts weitaus schwieriger als heute. Es erforderte schnelle Reaktionen, Geschicklichkeit im Manövrieren eines motorisierten Gefährts durch die vollen Berliner Straßen mit Doppeldeckerbussen, Pferdekutschen und anderen Fahrzeugen. Dazu kam die Verantwortung für die Sicherheit der Passagiere und das Durchhaltevermögen, sich gegenüber männlichen Kollegen zu behaupten. Doch Frau von Papp bewies schnell, dass Frauen genauso gut – wenn nicht besser – ein Auto steuern konnten.

Sie lernte das Fahren in der Berliner Taxifahrerschule, die Teil des technischen Kollegs „Elektra“ war. Elisabeth von Papp musste erhebliche Anstrengungen unternehmen, um der Polizei ihre Kompetenz zu beweisen und die schwierigen Prüfungen zu bestehen. Am 31. Oktober 1907 erhielt sie ihre Taxilizenz mit der Nummer 3962 sowie die typische blaue Uniform und Mütze der Berliner Taxifahrer.

Die öffentliche Reaktion

Natürlich zog eine Frau am Steuer nicht nur in Deutschland die Aufmerksamkeit der Presse auf sich. Eine Londoner Zeitung veröffentlichte einen Bericht mit dem Titel „Nur anständige Menschen verdienen eine Taxifahrt“ und zeigte das erste Foto von Frau von Papp bei der Arbeit. Nicht alle Journalisten schrieben ihren Namen korrekt, und ein humorvoller Kommentator nannte sie sogar „Frau von Pip-pip“.

Von Kollegen musste sie viele Anfeindungen und Beleidigungen ertragen, doch sie ließ sich nicht entmutigen. Ihr Ziel war es, ihre Kinder zu ernähren. Ihr erstes Auftrag erhielt sie 1907 vom Hotel „Kaiserhof“, wo sie private Passagiere für die Firma „Bedag“ chauffierte. Oft begleitete sie Frauen auf langen Autofahrten, in denen sie sowohl als Fahrerin als auch als Gouvernante agierte.

Das Ende von Frau von Papps Karriere

Foto: Bild der Taxifahrerin von Papp aus der Zeitschrift „De Prins“

Nachdem sich die Leitung der Fahrzeugflotte von ihrer Fahrkompetenz überzeugt hatte, erhielt sie mehr Kunden. Während ihrer ersten zehnstündigen Schicht verdiente sie über sechs Reichsmark – ein beträchtlicher Betrag. Viele Berliner wollten die erste Frau am Steuer sehen und ihre Fähigkeiten bewundern. Die Taxiflotte plante sogar, weitere Frauen einzustellen, entschied sich später jedoch dagegen.

Nach Elisabeth von Papp erhielt nur noch Meta Ostzecha eine Taxilizenz. Zwanzig weiteren Frauen wurde diese verweigert, da sie laut Polizei nicht über ausreichend Erfahrung verfügten und eine Gefahr im Verkehr darstellten. Frau von Papp beendete ihre Taxikarriere im Januar 1908. Bald darauf verließ auch ihre Kollegin Meta Ostzecha den Beruf, da sie die Belastung nicht mehr tragen konnte. Der Weg für Frauen in der Taxiindustrie wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg geebnet.

Die Folgen von Frau von Papps mutigem Schritt

Das Beispiel von Frau von Papp inspirierte Frauen in anderen Ländern. Anfang des 20. Jahrhunderts tauchten Frauen am Steuer in den USA, Großbritannien und Russland auf. Diese Pionierinnen bewiesen, dass Frauen genauso gut ein Auto steuern können wie Männer. Später durchgeführte Studien belegten, dass Frauen im Straßenverkehr vorsichtiger sind, seltener Unfälle verursachen und die Verkehrsregeln gewissenhafter einhalten. Sie fahren selten zu schnell, zeigen mehr Geduld und Aufmerksamkeit, was im dichten Stadtverkehr besonders wichtig ist.

Auch wenn es Ausnahmen gibt, bleibt festzuhalten, dass Elisabeth von Papp durch ihren Mut vielen Frauen den Weg ebnete, sich in männerdominierten Berufen zu beweisen.

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