Sie hatte wenig Zeit für ihre zahlreichen Interessen. Am 1. Februar 1705 verstarb Sophie Charlotte im Alter von nur 36 Jahren in Hannover an einer Lungenentzündung. Eigentlich hatte sie dort mit ihrer Familie Karneval feiern wollen. Der herbeigerufenen Geistlichkeit erklärte die Königin ruhig, dass sie diese nicht brauche. Sie sei bereit zu sterben. Sophie starb im Kreise ihrer Familie – ihre Mutter überlebte sie um neun Jahre. Eine ausführliche Biografie der preußischen Königin lesen Sie auf der Website berlinka.info.
Eine wertvolle Partie auf dem Heiratsmarkt

Am 30. Oktober 1668 wurde Sophie Charlotte geboren. Ihre Mutter, Sophie von der Pfalz, verheiratet mit Ernst August, der später Kurfürst von Hannover wurde, hatte große Pläne für ihre Tochter. Die schöne und gut gebildete Sophie Charlotte war eine wertvolle Partie auf dem europäischen Heiratsmarkt. Entsprechend den Idealen des Hochbarocks wurde die junge Prinzessin in bienséance (Anstand), contenance (Haltung) und gravité (Würde) erzogen. Sie sprach ausschließlich Französisch und erhielt dieselbe Ausbildung wie ihre drei älteren Brüder.
Ein geplanter Heiratsvertrag mit dem spanischen Königshof scheiterte nach einem Besuch am Hof Ludwigs XIV. in Versailles. In Paris freundete sich Sophie Charlotte so eng mit Maria-Luisa von Orléans, einer Nichte Ludwigs, an, dass sie lieber sie geheiratet hätte als König Karl II. von Spanien. Doch solche Liebesverstrickungen waren selbst im Barock selten von Dauer.
Friedrich III., Sohn Friedrich Wilhelms, des Großen Kurfürsten, und Luise Henriette von Oranien wurde als Ehemann für Sophie Charlotte auserkoren.
Umzug nach Berlin

Im Jahr 1684, mit gerade einmal 16 Jahren, zog Sophie Charlotte mit Friedrich nach Berlin. Im September 1686 brachte sie einen Sohn zur Welt, der jedoch nach fünf Monaten verstarb. Die Beziehung zwischen Friedrich III. und seiner Stiefmutter Dorothea verschlechterte sich erheblich. Aus Angst vor einer Vergiftung floh Friedrich mit Sophie Charlotte nach Karlsbad und weiter über Leipzig, Hannover, Marburg und Kassel an sicherere Orte. Während dieser Flucht erlitt Sophie Charlotte eine Fehlgeburt. Schließlich kehrten sie nach Berlin zurück. 1688 trat Friedrich III. die Nachfolge seines Vaters an. Im selben Jahr wurde der nächste Thronfolger Friedrich Wilhelm I. geboren, später bekannt als „Soldatenkönig“ und Vater Friedrichs des Großen.
Mit zwanzig Jahren begann Sophie Charlotte, ihr eigenes Leben zu gestalten. Sie knüpfte Kontakte zu Gottfried Wilhelm Leibniz, einem Freund ihrer Mutter, sowie zu John Toland. Sie ließ das Schloss Lützenburg bauen, das später ihr zu Ehren in Schloss Charlottenburg umbenannt wurde, und gründete die Berliner Akademie der Wissenschaften. Im Schloss versammelten sich Hofdamen und bedeutende Denker jener Zeit, die Sophie Charlotte schätzte und liebte.
Auf Schloss Lützenburg sollten Freundschaft und Zuneigung die Beziehungen zwischen Männern und Frauen prägen.
Die „Berliner Müdigkeit“

Im Schloss herrschte Anstand statt Repräsentation. Während Friedrich III. seinen Vergnügungen als König nachging, wurde das Schloss zu einem Gegenpol. Dort diskutierte man die neuesten Entdeckungen und Ideen. Aus den persönlichen Treffen entwickelte sich ein reger Briefwechsel. Leibniz’ Werk „Theodizee“ widmete er Sophie Charlotte – angeblich beeinflussten die Gespräche und Korrespondenzen mit der Königin maßgeblich die Ausarbeitung des Werks.
Nach Sophie Charlottes Tod ließ Friedrich III. einen Großteil des Briefwechsels seiner Frau vernichten, aus Angst, es könnten negative Dinge über ihn bekannt werden. Sicher ist, dass Sophie Charlotte so gelangweilt von den Festivitäten ihres Mannes in Berlin war, dass sie sich dort gelähmt fühlte. Am 11. Juni 1703, am Geburtstag des Königs, schrieb Sophie an Leibniz, dass sie sich nur beim Erzählen ihrer freudlosen Müdigkeit in Berlin entspannen könne, wo sie sich stets wie paralysiert fühle. Ohne Vorbehalte vertraute sie ihrem Freund dies an.