Die Berlinerin Tekla Schönfeld war 41 Jahre alt, als sie ihr vorheriges Leben hinter sich ließ. Tekla entschied sich, Nonne zu werden, und setzte diesen Entschluss in die Tat um. Heute lebt sie in einer Wohngemeinschaft mit Schwestern in Marzahn. Tekla sagt, dass sie diesen Weg bereits in ihrer Kindheit gewählt hat. Mehr über das Leben der Berliner Nonne erfahren Sie auf berlinka.info.
Arm, ehelos und gehorsam

Tekla Schönfeld hat ewige Gelübde abgelegt. Nun ist sie Nonne und möchte es für immer bleiben: arm, ehelos und gehorsam. Sie ist Mitglied des Ordens der Medical Mission Sisters.
Tekla lebt in Marzahn, einem Stadtteil Berlins, in einer Wohngemeinschaft mit drei weiteren Schwestern. Manchmal schauen sie zusammen die Krimiserie Tatort, kochen und putzen abwechselnd. Morgens fährt Tekla mit der U-Bahn nach Marienfelde, wo sie an einer Schule als Lehrerin für Kinder mit besonderen Bedürfnissen arbeitet. Die Gebetszeiten der Schwestern werden mit einem Kalender abgestimmt.
Im Jahr 2016 gab es in Berlin 258 Nonnen und 115 Mönche, die in 63 Klöstern der Stadt lebten und beteten. Viele von ihnen haben Nachwuchssorgen, aber nicht alle. Der Sprecher der Berliner Erzdiözese, Stefan Förner, bezeichnet die Medical Mission Sisters als selbstbewusste und entschlossene Frauen, die genau wissen, was sie wollen.
Der Orden der Medical Mission Sisters

Der Orden der Medical Mission Sisters wurde von der gebürtigen Österreicherin Anna Dengel gegründet. Sie arbeitete mehrere Jahre als medizinische Missionarin unter armen Menschen in Nordindien, dem heutigen Pakistan. Dort erlebte sie, wie Frauen und Kinder aufgrund religiöser und kultureller Traditionen von männlichen Ärzten keine medizinische Hilfe erhielten und an Krankheiten oder Verletzungen starben. Nach monatelangen Reisen und Gesprächen mit Geistlichen kam Dengel zu dem Schluss, dass nur eine Gruppe religiöser Schwestern mit medizinischer Ausbildung diesen Frauen helfen könnte. Doch ein solcher Plan widersprach dem damaligen Kirchenrecht, das Mitgliedern religiöser Orden die Ausübung der Medizin untersagte.
Trotzdem schrieb Dengel eine Satzung für die von ihr angedachte Gemeinschaft. Sie zog in die Vereinigten Staaten, sammelte Spenden und verbreitete ihre Idee. Sie betrachtete ihr Vorhaben nicht nur als Akt der Barmherzigkeit, sondern auch als einen Akt der Gerechtigkeit. Am 12. Juni 1925 genehmigte die Römisch-Katholische Kirche die Gründung einer neuen Gemeinschaft, und am 30. September desselben Jahres schlossen sich in Washington vier Frauen zusammen, um den Orden der katholischen medizinischen Missionarinnen zu gründen.
Eine glückliche Nonne

Für Tekla Schönfeld war der Schritt ins Kloster ein entscheidender Punkt in einem Lebensweg, der für sie schon in der Kindheit begann. Sie wuchs in Kreuzberg auf, hatte dort Freunde und sang in einer Band. Tekla führte eine Beziehung und hatte den Wunsch, Kinder zu bekommen. Sie weiß genau, worauf sie verzichtet. Auf die Frage nach ihrem Warum sagt sie, dass sie schon als Kind eine unerfüllbare Sehnsucht verspürte – ein Gefühl, das niemand stillen konnte. Sie empfand es als unfair gegenüber ihrem Partner, der nichts daran ändern konnte. Deshalb trennte sie sich von ihm. Ein Bekannter brachte sie später zu einer Beratung ins Kloster nach Marzahn. So begann alles.
Heute trägt Tekla einen einfachen silbernen Ring in Form eines Kreuzes – ihr einziges Schmuckstück. Sie ist überzeugt, dass vielen Berlinern etwas fehlt. Ihrer Meinung nach sollte jeder die Frage beantworten, was das eigene Leben erfüllend macht. Das muss nicht Gott sein – es können Kinder oder bestimmte Aufgaben sein. Aber man muss es herausfinden, sagt sie. Viele Menschen wollen das nicht, was ihr Leben traurig mache. Tekla Schönfeld sieht das anders. Nach ihrer Einkleidungszeremonie stießen 200 Freunde, Verwandte und Mitschwestern mit Sektgläsern auf die frisch geweihte Nonne an. Und Tekla sagte: „Ich bin glücklich!“