Nach alter Tradition werden Klöster außerhalb von Städten und Siedlungen errichtet, um die Mönche und Nonnen nicht von weltlichen Gedanken abzulenken. Es gibt jedoch Ausnahmen. Eine davon ist das einzigartige Kloster der Unbeschuhten Karmelitinnen, bekannt als Karmel Regina Martyrum. Dieses Kloster liegt im Zentrum der deutschen Hauptstadt, im Berliner Stadtteil Charlottenburg-Nord. Es ist im Vergleich zu anderen Klöstern relativ jung – es wurde 1982 eröffnet –, hebt sich aber durch seine besondere Geschichte hervor. Außerdem steht es allen offen, die innere Ruhe und Ausgeglichenheit in sich selbst und in der Welt suchen. Mehr erfahren Sie auf berlinka.info.
Die Geschichte des Klosters Karmel Regina Martyrum
Das Karmel Regina Martyrum wurde von Karmelitinnen des Klosters vom Heiligen Blut gegründet, das auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau liegt. Dieses Kloster nahm seine Tätigkeit 1964 auf. Seine Nonnen folgten dem Grundsatz, ein spirituelles Leben im Dienst der Versöhnung an Orten der Gewalt zu führen. Auch Berlin hat in den Jahren des Zweiten Weltkriegs viel durchgemacht. Daher wurde der Standort des Klosters in der Nähe der Gedenkkirche der deutschen Katholiken gewählt, die den Märtyrern für Glaubens- und Gewissensfreiheit von 1933 bis 1945 gewidmet ist. Den Grundstein legte Kardinal Döpfner, der die Initiative der Karmelitinnen aus Dachau aktiv unterstützte.
Die feierliche Einweihung des Klosters fand 1984 durch Kardinal Joachim Meisner statt. Erste Priorin wurde Gemma Hinricher, die mit weiteren Nonnen aus Dachau nach Berlin übersiedelte. Sie suchten bewusst einen Ort in der Nähe von Plötzensee, um dort in der damals geteilten Stadt Fürbittgebete zu halten. Für den Bau der Klosteranlage wurden Gemeinschaftsräume der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum umgestaltet. Dies wurde durch die 1984 erfolgte Neuordnung der Pfarreien in Charlottenburg ermöglicht, bei der die Gemeinde Maria Regina Martyrum mit der benachbarten Gemeinde St. Josef in Siemensstadt zusammengelegt wurde. Die Krypta der Gedenkkirche wurde nach Norden erweitert und mit einer Kapelle für tägliche Messen und Chorgebete der Nonnen ausgestattet.
Über die Karmelitinnen

Die Karmelitinnen gehören zu zwei katholischen Ordensgemeinschaften und einer Kongregation, die die Spiritualität der Einsiedler des Karmelberges pflegen. Der Orden wurde im 12. Jahrhundert während der Kreuzzüge gegründet. Die ersten Frauenklöster schlossen sich dem Orden im 15. Jahrhundert an. Eine bedeutende Reform führte im Jahr 1593 die heilige Teresa von Ávila mit Unterstützung von Johannes vom Kreuz ein, wodurch der Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen entstand.
Im 21. Jahrhundert gibt es Karmelitinnenklöster in über 100 Ländern der Welt. 2013 zählte der Orden fast 10.000 Nonnen in 759 Klöstern. Die Ordensregel ist streng: Asketische Lebensführung, Schweigen und unablässiges Gebet stehen im Mittelpunkt. Die Karmelitinnen tragen braune Gewänder mit einem ledernen Gürtel, ein weißes Kopftuch mit schwarzem Schleier und den charakteristischen Skapulier.
Der Alltag der Nonnen im Kloster Karmel Regina Martyrum

Bereits bei der Eröffnung des Klosters wies die Priorin Gemma Hinricher darauf hin, dass das Leben nahe Plötzensee eine ständige Herausforderung für die Schwestern darstellt. Sie sollen das Gedenken an die dunkelsten Kapitel der Vergangenheit wachhalten und sich gegen heutige Formen der Intoleranz einsetzen. Der Alltag der Nonnen besteht aus gemeinsamen und individuellen Gebeten. Schweigen ist ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens, der ihnen hilft, Harmonie mit Gott, sich selbst und ihren Mitmenschen zu finden.
Die Nonnen widmen sich auch praktischen Aufgaben. Sie nähen und besticken liturgische Gewänder, backen Hostien für die Messe und erledigen Haushaltstätigkeiten. Während der gemeinsamen Mahlzeiten werden spirituelle Texte vorgelesen. Es gibt auch zwei tägliche Rekreationszeiten, in denen organisatorische Fragen besprochen werden. Nach dem Abendgebet beginnt das „Große Schweigen“, das von allen Schwestern eingehalten wird.
Spirituelle Begleitung für Laien

Das Kloster ist jedoch nicht völlig von der Außenwelt abgeschottet. Es gibt einen Klosterladen, in dem religiöse Artikel verkauft werden. In der Kerzenwerkstatt können personalisierte Kerzen für Taufen, Hochzeiten oder andere Anlässe bestellt werden. Zudem bietet das Kloster Kurse für Meditation, Stressbewältigung und autogenes Training an. Der Klosterlabyrinth, gestaltet von Gernot Candolini, ist ein beliebter Ort der Einkehr.

Die Karmelitinnen sind überzeugt, dass der Mensch lernen muss, wieder zu schweigen, um den wahren Sinn des Lebens zu erkennen. Sie laden alle ein, im Raum der Stille und des Gebets zur inneren Ruhe zu finden.