In Berlin gibt es Orte, an denen Frauen Unterstützung, sicheren Raum und die Wärme einer Gemeinschaft finden können. Das Frauenzentrum „Matilde“ ist einer dieser Orte, an dem Hilfe, Verständnis und neue Möglichkeiten Hand in Hand mit Fürsorge und gemeinsamen Ideen gehen. Die Geschichte des Zentrums, seine Programme und kulturellen Initiativen zeigen, wie die Kraft der Gemeinschaft hilft, Schwierigkeiten zu überwinden und jeder Frau neue Horizonte zu eröffnen. Mehr dazu auf berlinka.info.
In Berlin arbeitet ein starkes Netzwerk von Frauenzentren, die von Frauen für Frauen geschaffen wurden. Hier findet man Zuflucht, Rat und emotionale Ressourcen. Zu ihnen gehören die bekannten Zentren „Ewa“ und „Frieda“, das Interkulturelle Frauenzentrum „S.U.S.I.“, das Feministische Frauenzentrum sowie viele weitere Initiativen, die Frauen täglich in unterschiedlichen Lebenslagen unterstützen. Jeder dieser Räume wird zu einer sicheren Insel der Unterstützung, auf der man Hilfe und Rat erhält und die Solidarität der Gemeinschaft spüren kann.
Die Geschichte des Zentrums „Matilde“

Unter all den Organisationen nimmt das Frauenzentrum Matilde (Matilde e.V.) einen besonderen Platz ein. Es ist die zweite offiziell registrierte Frauenvereinigung in Ost-Berlin, gegründet im März 1990. Das Zentrum befindet sich in der Stolberger Straße im Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Dies ist einer der größten Wohnbezirke der Hauptstadt, in dem viele Frauen unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten, Alleinerziehendenschaft, Arbeitslosigkeit oder häuslicher Gewalt leiden.
Die Entstehung eines Frauenzentrums in Marzahn-Hellersdorf war ein echter Durchbruch für die lokale Gemeinschaft. Auch in den 2020er Jahren bleibt es für Deutsche und Migrantinnen, die Verständnis, Beratung und den Schutz ihrer Rechte suchen, äußerst relevant.
Sicherer Raum und Unterstützung
Die Geschichte des Zentrums „Matilde“ ist untrennbar mit dem Fall der Berliner Mauer verbunden. Die Organisation entstand buchstäblich nur wenige Wochen nach den historischen Ereignissen, als viele Frauen in Ost-Berlin Unsicherheit, Angst und den Verlust von Halt verspürten. Das vereinigte Deutschland brachte neue Chancen, aber auch neue Herausforderungen mit sich – steigende Arbeitslosigkeit, soziale Ungleichheit und Fälle von Gewalt. Der Name der Organisation wurde dem Lied „Die Wilde Mathilde“ von Tamara Danz und der Band „Silly“ entnommen, das eine starke, unnachgiebige Frau besingt, die nicht zu brechen ist. Dieses Bild wurde zum Symbol des Zentrums und zur Inspirationsquelle für seine Teilnehmerinnen.
Wie arbeitet das Zentrum und welche Hilfe wird angeboten?

Jede Frau, die in das Berliner Frauenzentrum kommt, wird von erfahrenen Mitarbeiterinnen und Beraterinnen empfangen. Sie hören aufmerksam zu, unterstützen und helfen dabei, konkrete Lösungen für jede Lebenssituation zu finden, mit der eine Frau konfrontiert ist. Das Zentrum bietet umfassende Hilfe, insbesondere:
- Aufklärung über Frauenrechte und bestehende soziale Garantien;
- Informationen über mögliche staatliche Leistungen, Vergünstigungen und Unterstützungsformen;
- Hilfe beim Ausfüllen von Dokumenten, Fragebögen und offiziellen Anträgen;
- Begleitung zu Behörden, sozialen Diensten oder Beratungsstellen bei Bedarf, mit detaillierter Erläuterung aller Verfahren und Schritte;
- Unterstützung bei schwierigen Lebensfragen im Zusammenhang mit Scheidung, Trennung, Sorgerecht und Gerichtsverfahren;
- Vermittlung von Kontakten zu erfahrenen Anwälten, spezialisierten Beratern oder Krisendiensten, wenn zusätzliche professionelle Hilfe benötigt wird.
Bei „Matilde“ werden schwierige Themen nicht gemieden, und man bleibt immer an der Seite der Frau, unabhängig von den Umständen. Das Hauptprinzip des Zentrums ist unveränderlich: Keine Besucherin bleibt mit ihrem Problem allein.
Psychologische Unterstützung und Krisenhilfe im Frauenzentrum „Matilde“
In Fällen von physischer, psychischer oder sexueller Gewalt wird das Zentrum zu einem verlässlichen Stützpunkt. Gemeinsam mit der Betroffenen entwickeln die Spezialistinnen einen Sicherheitsplan und stellen Kontakte zu Polizei, Krisenzentren und Frauenhäusern her. Wenn es zu Hause gefährlich ist, helfen sie dabei, eine Unterkunft für die Frau und ihre Kinder zu finden. Besonderes Augenmerk liegt auf der Wiederherstellung innerer Ressourcen nach erlebter Gewalt: Entwicklung von Selbstvertrauen, ein Gefühl für eigene Grenzen und Sicherheit sowie der Aufbau eines inneren Halts.
Digitale Sicherheit und moderne Herausforderungen

Moderne Bedrohungen haben oft eine digitale Dimension. Das Zentrum hilft Frauen, die mit Online-Stalking, der Veröffentlichung privater Daten oder dem Hacken von Social-Media-Accounts konfrontiert sind. Die Mitarbeiterinnen erklären, wie man das Smartphone, E-Mails, soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram, Twitter und Messenger wie WhatsApp schützt. Sie lehren den Umgang mit sicheren Cloud-Diensten und die Einrichtung von Kindersicherungen. „Matilde“ arbeitet aktiv mit der Organisation „HateAid“ zusammen, die Opfer digitaler Gewalt unterstützt.
Kurse und Entwicklung innerer Stärke

Ein besonderer Stolz des Zentrums sind die Selbstverteidigungskurse „Holistic Courage“. Dies sind einzigartige Kurse für Frauen, die die Kampfkunst Wing Tsun, Körperpraktiken und Meditationselemente kombinieren. Das Training zielt nicht nur auf physischen Schutz ab, sondern auch auf die Entwicklung von innerem Selbstvertrauen, Achtsamkeit und psychischer Widerstandsfähigkeit. Die Übungen finden in einem geschützten Frauenraum statt, in dem man ohne Urteil und Druck lernen, seinem Körper vertrauen und in schwierigen Situationen sicher handeln kann.
Gemeinschaft und soziale Kontakte
Bei „Matilde“ gibt es Selbsthilfegruppen, in denen Frauen ehrlich Erfahrungen austauschen, über Erlebtes sprechen und Gleichgesinnte finden können. Die Räumlichkeiten des Zentrums stehen auch Angehörigen von Betroffenen offen, die eigene Unterstützungsgruppen gründen möchten, um zu verstehen, wie sie einem nahestehenden Menschen helfen können. Die Treffen sind nicht an strenge Regeln gebunden: Manche erzählen sofort von sich, andere hören einfach nur zu, und auch das ist völlig in Ordnung. Zwischen vielen Teilnehmerinnen entstehen aufrichtige, freundschaftliche Beziehungen, die über das Zentrum hinaus bestehen bleiben. Sie helfen einander, teilen Probleme, feiern kleine Siege und unterstützen sich in schweren Momenten. In der Einrichtung wird nicht in Stark und Schwach unterteilt – alle halten zusammen, aber jede persönliche Geschichte zählt.
Lernen, Freizeit und Kulturprogramme

„Matilde“ ist nicht nur ein Krisenzentrum, sondern auch ein lebendiger Kulturraum, in dem Frauen entspannen, Neues lernen und Freunde finden können. Im Zentrum werden verschiedene Veranstaltungen durchgeführt, darunter:
- Tanzkurse, einschließlich irischem Stepdance;
- Organisation von Brettspielen und Themenabenden;
- Austausch und Kennenlernen in Frauencafés;
- Private Treffen oder kleine Feiern für bis zu 30 Personen.
Besonderes Augenmerk legt „Matilde“ auf Mütter mit Kindern. Es gibt offene Spielgruppen namens Kids&Co, in denen Kinder sicher spielen und lernen können, während Mütter Erfahrungen austauschen. Für diejenigen, die nach Selbstverwirklichung und beruflicher Entwicklung streben, organisiert das Zentrum Job-Coaching: Es hilft bei der Erstellung von Lebensläufen, der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche und der Entwicklung beruflicher Fähigkeiten.
Zeitlose Erfahrung

Im Zentrum gilt die ungeschriebene Regel: „Frag nicht, woher ich komme. Frag, wer ich bin.“ Dies schafft eine Atmosphäre des Respekts, in der alle Stimmen gehört werden. In den Jahren seines Bestehens ist das Frauenzentrum „Matilde“ in Marzahn-Hellersdorf zu einem vertrauten und verlässlichen Ort für die Frauen der Umgebung geworden. Man weiß dort sehr wohl, dass das Leben selten einfach ist, und versteht es, mit verschiedenen Geschichten zu arbeiten – ohne Eile und ohne Vorurteile.
Frauen kommen nicht nur in schwierigen Momenten dorthin, sondern auch, wenn sie mitteilen möchten, was sie bewegt, Rat suchen, sich ausruhen oder ihre Gedanken ordnen wollen. Oder sogar, um ein interessantes Hobby für sich zu finden. Das Zentrum pflegt engen Kontakt zu Schulen, Kindergärten und lokalen Initiativen und bleibt aufmerksam für das Leben im Kiez. In der Einrichtung findet man für alle herzliche Worte, die ein Gefühl der Sicherheit und die Möglichkeit geben, man selbst zu sein. Jede Besucherin hat das Recht auf ihren eigenen Weg, und das wird respektiert. Für viele Frauen ist das Zentrum zu einem Ort geworden, an dem sie gehört werden und Vertrauen finden – und das ist wohl das, was alle, die die Hilfe von „Matilde“ in Anspruch genommen haben, am meisten schätzen.
Quellen: