Valentin Manheimer – eine zentrale Figur der Berliner und weltweiten Mode

Valentin Manheimer wurde 1815 geboren, sein Vater war Kaufmann. 1844 heiratete er Philippine Berend, die Tochter des Händlers von Industriegütern und Herstellers von Damenmänteln, Joseph Berend. Mit seiner Frau hatte er drei Söhne und fünf Töchter. Einer seiner Brüder war Moritz Manheimer. Mehr über das Leben des Gründers der berühmten Bekleidungsmarke lesen Sie auf berlinka.info.

Gründung der Marke

Im Alter von dreißig Jahren zog Valentin Manheimer nach Berlin, das fortan seine Heimat wurde. 1836 gründete er zusammen mit seinen Brüdern Moritz und David die Textilverarbeitungsfirma „Gebr. Manheimer“. Gerüchten zufolge erhielt er das Startkapital durch einen Lotteriegewinn. 1839 trennte sich Valentin von seinen Brüdern und gründete die Firma „V. Manheimer“. Neben der Firma von Hermann Gerson war dies einer der ersten Hersteller von Damenbekleidung in Berlin. Manheimer nutzte die Traditionen und das Wissen des alten Berliner Schneiderhandwerks, um ein großes Unternehmen für Bekleidungsproduktion aufzubauen. Grundlage dafür war teilweise ein Verlagssystem. Hauptsächlich stellte er preiswerte Damenmäntel aus dicker Wolle her. Seine Produkte wurden nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland verkauft. Die Firma „V. Manheimer“ hatte eine Niederlassung in London.

1856 trat Valentin Manheimer der Gesellschaft der Freunde bei. 1862 beauftragte er den Architekten Friedrich Hitzig mit dem Bau einer Villa im neuen Viertel Tiergarten in der Bellevuestraße 8.

Internationale Erfolge der Marke

Besonders nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 etablierte sich Manheimer auf dem internationalen Markt und machte den Pariser Herstellern ernsthafte Konkurrenz. Seine Produkte wurden sogar in die USA exportiert. Nach Verkaufszahlen war die Firma Manheimer der zweitgrößte Betrieb in der Bekleidungsindustrie, direkt nach der Firma Hermann Gerson. Ende der 1890er Jahre beschäftigte „Manheimer“ fast 8.000 Mitarbeiter.

1873 wurde Valentin Manheimer zum Kommerzienrat und 1884 zum Geheimen Kommerzienrat ernannt. Seine Frau Philippine ließ anlässlich seines siebzigsten Geburtstags ein Gemälde von Anton von Werner anfertigen. Nach seinem Tod hinterließ er ein Vermögen von 10 bis 12 Millionen Mark.

Seine Söhne Ferdinand, Gustav und Alfred führten das Geschäft nach seinem Tod weiter. Gustav und Alfred zogen sich jedoch 1903 bzw. 1904 aus dem Geschäft zurück, sodass Ferdinand alleiniger Eigentümer wurde. Später leitete dessen Sohn Adolf die Firma. Während der Weltwirtschaftskrise erlitt das Unternehmen jedoch einen finanziellen Zusammenbruch. Manheimers Tochter Julie war mit dem Industriellen Isidor Loewe verheiratet.

Wiederbelebung der Marke „V. Manheimer“

Die Geschichte der Marke endete jedoch nicht. Die Unternehmer Christian Boros und Lothar Eckstein, gemeinsam mit anderen Partnern, starteten eine neue Herrenmodemarke, die auf die großen Traditionen des Berliner Schneiderhandwerks aufbauen und gleichzeitig Widersprüche im Luxusmarkt ausgleichen sollte. Dafür belebten sie die Marke „Manheimer“ wieder, die Mitte des 19. Jahrhunderts den weltweiten Markt revolutioniert hatte. Boros und Eckstein vergleichen Valentin Manheimer mit Gottlieb Daimler in der Automobilindustrie.

Manheimer hatte die bahnbrechende Idee, nicht nur einzelne Körper zu vermessen, sondern Hunderte. Daraus errechnete er Durchschnittswerte. Die damals bestimmten vier Größen wurden auf der Innenseite des Mantelärmels markiert. Die Bezeichnungen, von klein bis groß, lauteten: „Backfisch“, „Normal“, „Lush“ und „Fatal“. Diese Kombination aus Statistik und Serienproduktion demokratisierte die Mode, ähnlich wie Henry Ford keine handgefertigten Kutschen verkaufte, sondern Autos vom Fließband.

Damit machte Manheimer Mode zugänglich, insbesondere das Berliner Mantel, das für den aufstrebenden Mittelstand erschwinglich war und sich auch im Ausland hervorragend verkaufte. Valentin Manheimer war Teil der Berliner Bekleidungsindustrie, die mit ihren 1.800 Unternehmen zeitweise größer war als das ewige Modezentrum Paris.

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