Hermann Gerson – Gründer des größten Bekleidungskaufhauses in Berlin

Hermann Gerson wurde 1813 geboren. Er war ein jüdischer Modedesigner aus Berlin und Betreiber eines der führenden Modehäuser der Stadt, das er selbst gründete. Mehr über das Leben von Hermann Gerson erfahren Sie auf berlinka.info.

Der Beginn seines Lebens in der Hauptstadt

Hermann Gerson war der Sohn des deutschen Kaufmanns Levin Gerson. 1835 zog Hermann nach Berlin, wo er – wie viele andere Juden – sein Leben aufbauen wollte. Im Jahr seiner Ankunft erhielt er das notwendige „Jüdische Bürgerrecht“ und nahm den Namen Hermann Gerson an.

Bereits zwei Jahre später war er Mitbegründer von „Forest & Gerson“ in der „Königlichen Bauakademie Nr. 3“. Dort wurden weiße Stickereien, Blonden, Tüll, Borten und Gardinenstoffe angeboten sowie Leinen und Seide produziert. Hermann Gerson war einer von zwei Firmengründern, führte jedoch ab 1839 das Unternehmen unter seinem eigenen Namen. Zu seinen Kunden zählten Mitglieder des preußischen Königshofes.

1841 begann Gerson mit dem Handel von Damen- und Herrenmänteln aus Massenproduktion. Er erzielte schnell Erfolge, erhielt den Titel eines Hoflieferanten und zog in die benachbarte Werder’sche Marktstraße. 1849 eröffnete Hermann ein großes „Kaufhaus“ (ein Warenhaus, das sich auf Bekleidung spezialisierte) im Schneiderquartier Berlins. Es war das erste Kaufhaus dieser Art in der Stadt und wurde zum Trendsetter für Damenmode jener Zeit.

Das Bekleidungskaufhaus

Zu dieser Zeit beschäftigte Gerson bereits fünf Meister, drei Direktricen und zwischen 120 und 140 Werkstattangestellte. Für die Verwaltung und Wartung der Werkstatt arbeiteten etwa 100 Angestellte und Aufseher. Zudem arbeiteten rund 1.500 Schneider, darunter 150 Meister, von zu Hause aus für ihn. Das Bekleidungshaus galt als das erste Kaufhaus Berlins und erlangte durch seine exklusive, aber auch sehr teure Damenmode auf europäischem Niveau internationale Bekanntheit.

Gerson erhielt Bestellungen von königlichen und aristokratischen Kunden aus Russland, Großbritannien, Schweden und Norwegen. 1890 zog das „Kaufhaus“ in ein neues, noch luxuriöseres Gebäude um, das 1919 weiter ausgebaut wurde.

Seit 1856 erschien die „Herrmann Gerson’s Mode-Zeitung“ – eine Zeitschrift für Mode, Industrie, Kunst und Literatur, die von Adolf Ascher herausgegeben wurde. Der Modeteil, der im Hause Gerson redigiert wurde, enthielt nicht nur farbige Modeillustrationen, sondern auch Stickvorlagen und Schnittmuster.

Der plötzliche Tod von Hermann Gerson

Am 6. Dezember 1861 verspürte Hermann Gerson zu Hause in seiner Wohnung ein Engegefühl in der Brust. Er begab sich in die nahegelegene Apotheke „Ring’sche“ am Potsdamer Platz. Doch die Medikamente kamen zu spät. Hermann Gerson verstarb in der Apotheke an einem Lungeninfarkt. Er war zu diesem Zeitpunkt 48 Jahre alt. Gerson wurde auf dem jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee beigesetzt, wo sein Grab bis heute erhalten ist.

Die Entwicklung und Liquidation des Unternehmens

Nach dem Tod des Gründers florierte das Unternehmen unter seinen Erben weiter. 1891 arbeiteten in einem Geschäft 240 qualifizierte Angestellte, zudem 1.500 Heimarbeiterinnen. 1894 war „Herrmann Gerson“ das größte Unternehmen der Branche mit einem jährlichen Umsatz von 30 Millionen Mark. Hermanns Bruder Julius Gerson lebte seit 1864 in der Villa Bellevuestraße 10.

Hermann Gerson gilt zusammen mit den deutsch-jüdischen Unternehmern Valentin Manheimer und Rudolf Herz als einer der „Gründungsväter“ der deutschen Modeindustrie. Sie waren die ersten deutschen Geschäftsinhaber, die Mäntel und Bekleidung mithilfe von Produktionslinien herstellten.

1938 wurde das Unternehmen „Gerson“ im Rahmen der „Arisierung“ der deutschen Modeindustrie durch die Nationalsozialisten zwangsliquidiert. 1990 wurde das Grundstück, auf dem das Kaufhaus einst stand, verkauft. Heute befinden sich dort ein Hotel, Wohnungen und ein Bürogebäude.

...