Alexandra Hildebrandt: 10 Kinder und der Traum vom Ewigen

Alexandra Hildebrandt ist studierte Ingenieurin, Künstlerin aus Berufung und gesellschaftliche Aktivistin aus eigener Wahl. In ihrer Jugend beschäftigte sie sich mit der Entwicklung komplexer technischer Geräte, wechselte jedoch später bewusst zur Kunst und Kulturarbeit. Ebenso war es die Malerei, die sie nach Berlin führte, wo Alexandra die Leitung des berühmten „Mauermuseums – Haus am Checkpoint Charlie“ übernahm. Seit vielen Jahren widmet sie sich der Bewahrung des historischen Gedächtnisses und der Förderung des gesellschaftlichen Dialogs über die Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Weiteres dazu auf berlinka.info.

Das öffentliche Interesse an Alexandra wurde auch durch persönliche Umstände geweckt. Im Alter von 66 Jahren wurde sie zum zehnten Mal Mutter, was nicht nur in Deutschland, sondern auch über die Landesgrenzen hinaus für großes Aufsehen sorgte. Als ihr jüngster Sohn geboren wurde, war Alexandras älteste Tochter bereits über 40 Jahre alt. Die Geschichte ihrer späten Mutterschaft vereint Lebenserfahrung, tägliche Verantwortung und eine zutiefst persönliche Entscheidung, in der innere Ruhe, Selbstfürsorge und die Bereitschaft, Aufmerksamkeit zu schenken, unabhängig vom Alter eine wichtige Rolle spielen.

Familie und die ersten Schritte im Leben

 

Alexandra kam im Februar 1959 in einer Kiewer Familie deutscher Abstammung zur Welt, in der Disziplin geschätzt wurde, man aber gleichzeitig herzliche familiäre Beziehungen pflegte. Ihr Vater Wilhelm Weissmann arbeitete als Ingenieur in der Luftfahrtindustrie, und ihre Mutter Jewgenija war Kinderärztin. In der Familie wurde großer Wert auf Bildung gelegt, ohne jedoch Druck auf die Kinder auszuüben, sodass jeder seine eigenen Interessen entwickeln konnte. Alexandras jüngere Schwester Marina wählte später ebenfalls den medizinischen Beruf und führte die Familientradition fort.

Alexandras Kindheit war geprägt von den für jene Zeit üblichen Freuden, die ihr Verantwortungsbewusstsein formten:

  • Reisen zu Großmutter Sonja aufs Dorf;
  • Spiele mit den Nachbarskindern;
  • Mithilfe im Haushalt.

Ein ländlicher Brauch blieb dem Mädchen besonders in Erinnerung: Für ein volles Glas gesammelter Kartoffelkäfer bekamen die Kinder eine Portion Eis. Solche einfachen Eindrücke, die Nähe zur Natur und der lebendige Austausch schulten allmählich ihre Beobachtungsgabe und Sensibilität, die sich später in Alexandras künstlerischem Blick manifestierten.

Wie Alexandra die Welt entdeckte

In ihrer Schulzeit begeisterte sich Sascha für das Zeichnen und die Musik, sie sang im Chor. Sie beobachtete aufmerksam das Leben um sich herum, hielt es in ihren Zeichnungen fest und erzählte kleine Geschichten durch Bilder. Nach der Schule entschied sie sich für die Fakultät für Elektronik, wo sie an Steuerungssystemen für Raketen arbeitete. Die Arbeit war interessant, aber monoton, und mit der Zeit kehrte Alexandra zu ihren kindlichen Leidenschaften zurück – der Malerei und dem Gesang. Diese Wahl eröffnete ihr neue Möglichkeiten für eine künstlerische Karriere und Auslandsreisen.

Das Leben brachte nicht nur angenehme Momente, sondern auch harte Lektionen mit sich. Die Rückkehr ihres Onkels Boris aus dem GULAG und sein baldiger Tod an Krankheiten, die er sich in den sowjetischen Lagern zugezogen hatte, hinterließen tiefe Spuren in Alexandras Gedächtnis. Diese Erfahrung lehrte sie, menschliche Standhaftigkeit und die Unterstützung durch Angehörige zu schätzen, und festigte ihren Wunsch, ihr Leben der Hilfe für andere zu widmen.

Besonders prägend für ihre Weltsicht war das Jahr 1986 und die Katastrophe von Tschernobyl. Alexandra befand sich nur 50 Kilometer vom Epizentrum des Unglücks entfernt und war der Strahlung ausgesetzt, was eine spätere medizinische Behandlung erforderte. Nach ihren Worten waren es genau diese Ereignisse, die ihren Entschluss bestärkten, ihre Zeit der Kunst, der Bewahrung des historischen Gedächtnisses und der Arbeit an wichtigen gesellschaftlichen Projekten zu widmen.

Ein neues Lebenskapitel

Ein entscheidender Schritt für die junge Künstlerin war eine Reise nach Berlin mit einem Kiewer Chorkollektiv. Alexandra nahm über 120 ihrer eigenen Gemälde mit, in der Hoffnung, sie in einer Ausstellung zu zeigen und interessiertes Publikum zu finden. Während der Reise lernte sie den Gründer des Mauermuseums, Rainer Hildebrandt, kennen. Er kaufte eines ihrer Werke und zeigte Interesse am Schaffen der jungen Künstlerin.

Im Jahr 1992 zog Alexandra nach Deutschland, und drei Jahre später heirateten sie und Rainer. Trotz des Altersunterschieds von 44 Jahren erwies sich ihre Ehe als harmonisch. Nach Rainers Tod im Jahr 2004 übernahm Alexandra die Leitung des Mauermuseums und machte diese Aufgabe zu einem ihrer wichtigsten Lebensziele. Sie führte Projekte zur Bewahrung des Andenkens an die Opfer der Berliner Mauer, zur Aufstellung von Kreuzen am Checkpoint Charlie und andere kulturelle Initiativen fort, die die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zogen.

Leben zwischen Arbeit und Familie

Kreativität und Familie waren für Alexandra immer untrennbare Bestandteile des Lebens. Sie verband die tägliche Arbeit, kulturelle Projekte und persönliche Angelegenheiten, schöpfte Energie aus jedem Treffen, Spaziergang oder Ereignis und gab diese durch ihre Kunst an die Menschen weiter. Das Schicksal führte sie mit dem deutschen Politiker Daniel Dormann zusammen. Zunächst waren ihre Treffen geschäftlicher Natur und der Entwicklung des Museums sowie kulturellen Projekten gewidmet, doch mit der Zeit wurden die Beziehungen enger. Im Jahr 2016 heirateten Alexandra und Daniel offiziell.

Unmittelbar danach begann eine neue Phase in ihrem Familienleben. Alexandra hatte bereits Kinder – Svetlana und Artem –, doch die Geburt der Zwillinge Elisabeth und Maximilian im Alter von 53 Jahren eröffnete ein neues Kapitel der Familiengeschichte. Später folgten:

  • die kleine Alexandra;
  • Leopold;
  • Anna;
  • Maria;
  • Katharina.

Alle Kinder kamen per Kaiserschnitt zur Welt. Der körperliche Zustand der Mutter ermöglichte es Professor Wolfgang Henrich – dem leitenden Spezialisten der Klinik für Geburtsmedizin der Charité (Universitätsmedizin Berlin) – alle Schwangerschaften ohne Komplikationen zu betreuen.

Die Freude einer großen Familie

Alexandras ältere Kinder – Svetlana und Artem – hatten bereits eigene Kinder. Svetlana feierte ihren 40. Geburtstag, Artem seinen 35., als im Frühjahr 2025 ihr jüngster Bruder geboren wurde. Laut Alexandra ist eine große Familie nicht nur eine Quelle der Freude, sondern auch ein Umfeld für die Erziehung, in dem jedes Kind Aufmerksamkeit, Fürsorge und Unterstützung erhält. Für die Familie Hildebrandt ist jedes Kind ein Geschenk des Lebens, weshalb die Geburt von Kindern nie „auf später“ verschoben wurde. Der kleine Philipp wurde gesund geboren – mit einem Gewicht von 3,55 kg und einer Größe von 50 cm – und zog sofort die Aufmerksamkeit der Mediziner auf sich. Alexandra bekräftigte, dass alle Schwangerschaften auf natürlichem Wege, ohne künstliche Befruchtung, zustande kamen.

Ein aktiver Lebensstil half der Mutter, ihre Kräfte zu bewahren:

  • tägliche Spaziergänge;
  • Schwimmen;
  • gesunde Ernährung.

Alexandra leitete weiterhin das Mauermuseum und kuratierte kreative Projekte, wobei sie Arbeit und Mutterschaft miteinander verband. Damit es alle Kinder bequem haben, erwarb die Familie ein geräumiges Haus im Bezirk Berlin-Zehlendorf. Für jedes Kind wurde ein eigenes Zimmer eingerichtet, und der Hof wurde zu einem Ort für gemeinsame Spiele, Spaziergänge und Erholung.

Im eigenen Rhythmus leben

Das Privatleben von Alexandra zog bisweilen die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf sich und rief unterschiedliche Bewertungen hervor. Die einen lobten ihre Energie und Hingabe an die Familie, die anderen hinterfragten die Sinnhaftigkeit einer späten Mutterschaft. Für Alexandra selbst waren jedoch nicht die Jahre im Pass entscheidend, sondern die körperliche Gesundheit, der innere Zustand und die Fähigkeit, ihren Kindern Liebe und Fürsorge zu schenken.

Parallel dazu engagierte sich Alexandra gesellschaftlich. Ihr Traum war es, ein Denkmal zu Ehren der westlichen Alliierten am Checkpoint Charlie zu errichten und das Gelände als grüne Zone zu gestalten, in der Besucher Zeit zum Nachdenken über Vergangenheit und Zukunft finden könnten. Im Alltag verband sie Kunst, Arbeit und die Sorge um die Kinder und zeigte damit, dass eine aktive Lebenshaltung und tägliche Energie die Welt um uns herum verändern können – selbst durch kleine Taten.

Kleine Freuden jeden Tag

Selbst im gesättigten Rhythmus und inmitten der täglichen Sorgen fand Alexandra immer Zeit für einfache, aber so wichtige Freuden – gemeinsame Spaziergänge mit den Kindern, Mittagessen mit der ganzen Familie, kreative Abende zu Hause. In diesen Momenten war eine Wärme zu spüren, die jeder Gast bemerkte, der zu den Hildebrandts kam. Die Presse bezeichnete Alexandra nie als Heldin, doch ihre wahre Leistung verbarg sich genau im Alltag einer großen Familie. Nicht jede Frau entscheidet sich dafür, zehn Kinder zur Welt zu bringen, besonders im reiferen Alter. Und das Wichtigste – sie so zu erziehen, dass sie selbstständig und verantwortungsbewusst werden. Alexandra glaubte an sich selbst und wusste, dass sie es schaffen würde – und sie hat sich nicht geirrt.

Quellen:

  1. https://kudago.com/all/news/66-let-desyatyij-rebyonok-i/
  2. https://www.facebook.com/PregnantLife/posts/german-woman-66-welcomes-10th-child-after-natural-conceptionberlin-alexandra-hil/1312866037143846/
  3. https://people.com/woman-66-gives-birth-to-10th-baby-and-claims-she-conceived-without-ivf-11704098
  4. https://www.irishtimes.com/world/europe/2025/03/26/berlin-woman-66-gives-birth-to-10th-child/
  5. https://www.kleinezeitung.at/international/19516206/mit-66-jahren-alexandra-hildebrandt-brachte-ihr-zehntes-kind-zur-welt
  6. https://www.bz-berlin.de/archiv-artikel/zum-60-geburtstag-erzaehlt-alexandra-hildebrandt-von-ihren-drei-leben
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