Skandale, Vorträge und revolutionäre Ideen der Feministin Minna Cauer

Zahlreiche Aktivistinnen haben in verschiedenen Epochen ihre Spuren in Krakau hinterlassen; unter ihnen waren nicht nur Künstlerinnen oder Mäzeninnen, sondern auch jene, die für einen neuen Platz der Frau in der Welt kämpften. In dieser breiten europäischen Bewegung steht neben Namen wie Helene Lange und Franziska Tiburtius auch die Gestalt der Feministin Minna Cauer – einer der radikalsten und konsequentesten Persönlichkeiten der Frauenbewegung in Deutschland. Gemeinsam arbeiteten diese Politikerinnen an der Schaffung der Mädchenmittelschule „Realkurse“ in Berlin, was deutschen Frauen half, Zugang zu mittlerer und höherer Bildung zu erhalten. Weiteres dazu auf berlinka.

Ein Mädchen, das davon träumte, die Welt zu verändern

Minna wurde im November 1841 in Freienstein als Tochter des Pastors Alexander Schelle und Juliane Wolfsschmidt geboren. Es war eine für die damalige Zeit typische Großfamilie, in der Disziplin, Arbeit und Bildung als wichtige Werte galten. Von Kindheit an strebte Minna danach, Lehrerin zu werden, doch familiäre Umstände verhinderten lange Zeit die Verwirklichung dieses Traums. Das Mädchen heiratete, doch das Schicksal wollte es so, dass ihr Ehemann, Dr. August Latzel, und kurz darauf auch ihr Sohn aus dem Leben schieden. Nach diesen Verlusten war die Frau gezwungen, ihr Leben von Grund auf neu aufzubauen.

Genau zu diesem Zeitpunkt entschied sich Minna Cauer für kardinale Veränderungen. Im Jahr 1867 legte sie das Lehrerinnenexamen ab und arbeitete nach Erhalt ihres Diploms fast ein Jahr lang als Privatlehrerin in Paris. Ab 1869 begann sie an einer Mädchenschule in Hamm zu unterrichten. Dort lernte sie ihren zweiten Ehemann kennen – den späteren städtischen Schulrat Eduard Cauer. Sie zogen nach Berlin, wo die junge Pädagogin erstmals in den Kreis liberaler Politiker und Vertreterinnen der bürgerlichen Frauenbewegung gelangte.

Der Weg zur Gleichberechtigung

Zu jener Zeit formten sich endgültig die Ansichten und Überzeugungen von Frau Cauer, dass Frauen offen und beharrlich für ihre Rechte kämpfen müssen. Und als Minna nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1881 gezwungen war, nach Dresden zu ziehen, gab sie ihre gesellschaftliche Arbeit nicht auf. Sie begeisterte sich für das wissenschaftliche Studium der Frauengeschichte. In den Jahren 1883 und 1884 begannen ihre Publikationen in der renommierten „Vossischen Zeitung“ zu erscheinen. Später kehrte die Aktivistin nach Berlin zurück, wo sie Geschichte im Pensionat für Amerikanerinnen unterrichtete.

Im Jahr 1888 gründete Minna Cauer gemeinsam mit anderen Aktivistinnen der Hauptstadt den Verein Frauenwohl (Verein für Frauenwohl). Genau diese Organisation wurde zum Sprachrohr des radikalen Flügels der bürgerlichen Frauenbewegung. 1889 beteiligte sich Cauer an der Gründung des Kaufmännischen Hilfsvereins für weibliche Angestellte (Verein für weibliche Handlungsgehilfen). Bereits 1896 trat Minna auf dem Internationalen Kongress für Frauenwerke und Frauenbestrebungen auf, der in Berlin stattfand.

Eine radikale Bewegung mit Herz

Im Jahr 1899 formierte sich durch die Bemühungen von Cauer und ihren Gleichgesinnten der Verband fortschrittlicher Frauenvereine. Er wurde zum Konkurrenten des Bundes Deutscher Frauenvereine, und Minna Cauer übernahm die Leitung der neu gegründeten Vereinigung. Ihr schlossen sich jene Klubs an, die die Politik der Konkurrenz als zu vorsichtig empfanden. Denn die gemäßigte Frauenbewegung setzte auf Petitionen und die Unterstützung liberaler Kreise und versuchte, die Lage der Frauen in verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens schrittweise zu verbessern.

Radikale Aktivistinnen, darunter auch Kauer, verfolgten hingegen einen radikaleren Ansatz:

Sie forderten offen das Frauenwahlrecht;

sie kritisierten die mangelnde Gleichstellung im Entwurf des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches;

sie prangerten sexuelle Belästigung und Gewalt, das Abtreibungsrecht, Prostitution und Frauenhandel an.

Diese Aktivistinnen sorgten mit ihren Diskussionen über die Situation von Hausangestellten und Arbeiterinnen in Berlin für großes Aufsehen. Während des Ersten Weltkriegs nahm Minna Kauer rasch eine pazifistische Haltung ein. 1918 trat sie der Deutschen Demokratischen Partei bei, um den Kampf direkt in der Politik fortzusetzen.

Vorträge, die entflammten

Minna Cauer wurde als wahrer Magnet für Menschen bezeichnet. Sie fesselte die Zuhörer mit ihren Reden, war eine energiegeladene Moderatorin mit feinem Sinn für Humor und nutzte fast nie vorbereitete Manuskripte. Denn auch so flossen die Worte leicht und überzeugend, und die Klarheit ihrer Gedanken zwang die Anwesenden, aufmerksam zuzuhören. Ihre langjährige Kollegin Else Lüders verglich Minna während der Vorträge wegen ihrer lebhaften Mimik und graziösen Bewegungen mit der berühmten Schauspielerin Eleonora Duse. Ein Kölner Journalist nannte diese Frau gar eine Priesterin und Prophetin.

Cauer reiste unermüdlich mit Vorträgen durch Deutschland und besuchte auch Großbritannien, Belgien, Dänemark, Schweden und Italien. Sie trat auf Konferenzen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands auf. Die Politikerin schätzte den lebendigen Austausch sehr. 1912 willigte sie sogar ein, der Jugendgruppe des Vereins Frauenwohl die Sozialdemokratin Clara Zetkin vorzustellen. Danach bemerkte sie, dass dies ihr geholfen habe, in die Ideenwelt dieser Frau einzutauchen, und sogar den Wunsch geweckt habe, den wissenschaftlichen Sozialismus zu studieren. Nach Minnas Meinung hätte dies ihrer Weltanschauung die nötige Klarheit verliehen.

Zeitschriften und Bücher, die nicht schwiegen

Cauer war nicht nur Rednerin, sondern auch eine aktive Journalistin. 1895 gründete sie die Zeitschrift „Die Frauenbewegung“, die bis 1919 das Sprachrohr der radikalen bürgerlichen Frauenbewegung blieb. Während des Bestehens der Publikation verfasste sie etwa 400 Artikel, Leitartikel, Rezensionen und Berichte. Cauers Ansatz unterschied sich radikal von anderen Frauenzeitschriften, die sie mehrfach kritisierte. Minna merkte an, dass es zwar kleine Verbesserungen in der Lage der Frauen gebe, aber kaum von der Formung einer neuen Sicht auf das Leben die Rede sei.

Kauers Hauptwerke:

„Frauen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika“ (1893) – ein Werk, das den Aktivismus amerikanischer Frauen und ihren Wunsch, „zum Wohle aller“ zu wirken, aufzeigte, während deutsche Frauen selig zu Goethe und Schiller träumten.

„Die Frau im 19. Jahrhundert“ (1898) – eine Analyse der Zusammenhänge zwischen den eingeschränkten Rechten der Frauen und ihrer Erziehung.
Gedenkausgabe zum 25-jährigen Jubiläum des Berliner Vereins „Frauenwohl“ (1913).

Charisma, das verband und trennte

Als Frauen 1919 das Wahlrecht erhielten, schrieb Cauer, dass sie ihre Aufgabe in der Frauenbewegung als erfüllt betrachte. Sie verbarg jedoch auch nicht ihre Enttäuschung darüber, dass deutsche Frauen danach streben, nur im kleinen Maßstab zu leben. Dies reiche jedoch nicht aus, um sich seinen Platz an der Sonne zu erkämpfen. Interessanterweise verfasste Frau Minna niemals Memoiren. Ihre Entscheidung erklärte sie damit, dass sie, wenn sie alles offen, wahrheitsgetreu und ehrlich darstellen wollte, das Bild einer Frau auf ewiger Suche erhalten würde, die Ideale für sich, ihre Freunde und das Vaterland aufbaute, aber „all dies plötzlich einstürzte“.

Minna Cauer verstarb im August 1922 und wurde auf dem St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg beigesetzt. Diejenigen, die Frau Cauer kannten, hoben stets ihren überaus starken politischen Verstand sowie ihre Bildung in Literatur und Politik hervor. Davon war in zahlreichen Nachrufen und Reden die Rede. Seit 1952 ist ihre Grabstätte als Ehrengrab des Landes Berlin anerkannt. In Berlin befindet sich die Minna-Cauer-Straße im Ortsteil Moabit; solche gibt es auch in Achim und Endingen am Kaiserstuhl. Auch die Bewohner der Stadt Lohfelden haben einen Minna-Cauer-Ring eingerichtet.

Frauen, Rechte, Geschichte

Moderne Forschungen bestätigen, welch große Bedeutung die Tätigkeit von Minna Cauer hatte. Diese Aktivistin und ihre Kolleginnen werden oft als Intellektuelle und Idealistinnen bezeichnet, die nicht immer ein klares System hatten, aber stets aus dem Herzen handelten. Gerade Cauer wurde zu einer der wichtigsten Führungspersönlichkeiten, die nicht nur den Verein Frauenwohl, sondern die gesamte radikale Bewegung für Frauenrechte in Deutschland schufen und mobilisierten. Der Einfluss von Minna Cauer ist auch im 21. Jahrhundert spürbar; ihr Kampf für die Rechte und die Gleichstellung der Frau inspiriert weiterhin moderne feministische Bewegungen und feministische Bildungsprojekte.

Quellen:

  1. https://hist259.web.unc.edu/minna-cauer-1841-1922/
  2. https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/akteurinnen/minna-cauer
  3. https://frauenmediaturm.de/historische-frauenbewegung/minna-cauer-1841-1922/
  4. https://www.dreamstime.com/portrait-minna-cauer-german-educator-journalist-radical-activist-middle-class-women-s-movement-illustration-image185072638

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